Der Pferdemagen ist ein sensibles Verdauungsorgan, das bei Fütterungsfehlern schnell zu Magenproblemen und Magengeschwüren neigt.
Wie ist der Pferdemagen aufgebaut?
Der Magen vom Pferd ist verhältnismäßig klein und umfasst bei einem durchschnittlichen Warmblut etwa 18 Liter. Er ist in zwei Bereiche unterteilt: das obere Drittel mit drüsenloser Schleimhaut und einen unteren Bereich mit drüsenhaltiger Schleimhaut, die Magensaft sowie eine schützende Schleimschicht bilden. Im oberen Bereich des Magens befinden sich Mikroorganismen, die einen Teil der im Futter enthaltenden Kohlehydrate abbauen. In Richtung Magenausgang sinkt der pH-Wert zunehmend. Das saure Milieu verhindert, dass krankmachende Keime in den Darm gelangen. Das obere Drittel des Magens besitzt keine Schutzschicht und hat der Säure wenig entgegenzusetzen.
Wie funktioniert der Pferdemagen?
Wildpferde verbringen circa 2/3 des Tages mit Fressen. Dadurch bildet sich eine typische Schichtung im Pferdmagen:
Im unteren Drittel ist der Mageninhalt stark verflüssigt, so kann der Dünndarm den Futterbrei aufnehmen
Im mittleren Drittel befindet sich der vom Magensaft durchtränkte Anteil mit festeren Bestandteilen
Im oberen Drittel befindet sich durch die Stoffwechselaktivität der Mikroorganismen gebildete Gaskuppel
Der Magenpförtner am Magenausgang schiebt kontinuierlich flüssigen Futterbrei in den Dünndarm. Auch das verhindert neben dem pufferndem Speichel und der Saugkraft der Rohfaser, dass Magensäure in obere Bereiche des Magens aufsteigt. Pferde bilden auch unabhängig von der Nahrungsaufnahme.
Woran erkennt man Magenprobleme beim Pferd?
Da Pferde Schmerzen gut verstecken können und Symptome bei Magenprobleme oft unspezifisch sind, ist es kein Wunder, dass viele Pferde von Magenproblemen betroffen sind und das nicht erkannt wird.
Folgende Auffälligkeiten können auf Magenprobleme hindeuten:
- Das Pferd frisst trotz reichlichem Angebot wenig Heu, verteilt es oder magert ab obwohl die Herde harmonisch ist und die Zähne in Ordnung sind
- Kraftfutter wird erst gierig gefressen, dann hört das Pferd auf und zeigt eventuell leichte Kolik Symptome wie Hinlegen
- Das Pferd gähnt häufiger, kaut viel leer ohne Futter und speichelt auffällig stark
- Putzen & Anfassen ab Bauch ist kaum möglich. Beim Satteln und Gurten zeigt es Abwehrverhalten wie Treten, Ohren anlegen etc.
- Beim Reiten ist das Pferd triebig, gleichzeitig schreckhaft. Vielleicht knirscht es mit den Zähnen oder ist sehr unrittig.
- Das Fell wirkt etwas stumpf und der Muskelaufbau bleibt trotz passender Fütterung und ausreichendem Training aus.
Viele der Anzeichen können auch andere Ursachen haben. Deshalb ist es so schwierig Magenprobleme zu erkennen. Im Zweifel kann der Tierarzt eine Magenspiegelung durchführen, um die Magenschleimhaut genauer zu untersuchen.
Was sind Ursachen für Magengeschwüre beim Pferd?
- Es werden zwei Krankheitsbilder unterschieden. Entzündungen und Geschwüre im Bereich der drüsenlosen Schleimhaut (Equine Squamous Gastric Disease, ESGD) und Geschwüre im Bereich des Magenausgangs (Equine Glandular Gastic Disease, EGGD).
- Im oberen Magenbereich (ESGD) sind meist Fütterungsfehler die Ursache, insbesondere eine Kombination aus wenig Raufutter und viel Kraftfutter.
Lange Pausen zwischen den Raufuttermahlzeiten lassen den Magensaft des Pferdes unnatürlich weit aufsteigen. Dadurch nimmt die Schleimhaut von der Magensäure Schaden
Kraftfutter wird weniger gründlich als Raufutter gekaut. Weniger Kauen bedeutet weniger Speichel und damit weniger Puffer
Neben Fütterungsfehlern kann auch mangelnder Appetit des Pferdes (z.B. in Folge von Stress) zu einem Anstieg der Magensäure führen
Ursachen für Geschwüre am Magenausgang (EGGD):
- Sehr harte & scharfkantige Futterbestandteile können die Schleimhaut am Magenausgang mechanisch schädigen
- Sehr intensives Training in höheren Gangarten erhöht das Risiko für EGGD, vermutlich aufgrund der verminderten Durchblutung während körperlicher Anstrengung und dem Anstieg des intragastralen Drucks.
- Auch bestimmte Medikamente (z.B. Entzündungshemmer) können als Nebenwirkung zu Problemen im Bereich des Magenausgangs führen.
Wie kann man Magenprobleme vorbeugen beim Pferd?
- Pro Tag sollte ein Pferd 1,5 bis 2kg Heu/100kg Körpergewicht fressen
- Fresspausen sollten nicht länger als 4-6 Stunden sein
- Die Stärkeaufnahme sollte begrenzt werden (maximal 1g/kg Körpergewicht je Mahlzeit und 2g/kg Körpergewicht pro Tag)
- Um die Einspeichelung zu verbessern und die Fresszeit zu verlängern können Häcksel unter das Kraftfutter gemischt werden
- Öl kann als energiereiche Alternative Getreide reduzieren
- Schleimstoffe, z.B. aus Leinsamen, sowie Pektine aus Apfeltrester können zusätzlich als magenschonende Komponenten in die Ration mit aufgenommen werden.